Aufruf

Gedenken heißt kämpfen

Am 9.11.2019 jähren sich die Novemberpogrome zum 81. Mal. 1938 wurden an diesem und den darauf folgenden Tagen im gesamten deutschen Reich – so auch in Bielefeld – jüdische Geschäfte, Wohnungen und Synagogen angegriffen, verwüstet und niedergebrannt. Die Täter*innen waren neben organisierten SA-Gruppen und NSDAP Mitgliedern auch unorganisierte Anwohner*innen. Hunderte Menschen wurden ermordet. Die Pogrome markieren den Übergang von der antisemitischen Diskriminierung zur gezielten Verfolgung von Jüd*innen, die in der systematischen Vernichtung, der Shoah, mündete.
Gerade an diesem historisch einschneidenden Datum wollen die Nazis in Bielefeld zum vierten Mal demonstrieren, um auf die Inhaftierung der Holocaustleugnerin Ursula Haverbeck hinzuweisen.
Es ist ganz klar eine gezielte Verhöhnung der Opfer von antisemitischer Gewalt und eine Provokation. Wir werden es nicht hinnehmen, dass Anhänger*innen des Nationalsozialismus und Mitglieder der Partei „Die Rechte“ ihr antisemitisches und rassistisches Weltbild verbreiten.
Auch wenn die Naziaufmärsche in Bielefeld seit Mai 2018 in trauriger Regelmäßigkeit alle 6 Monate stattfinden, wollen wir sie nicht zur Normalität werden lassen. Ob im Vorort oder in der Innenstadt, stets stellte sich eine Überzahl an Antifaschist*innen den Nazis entgegen. Die Aufmärsche konnten nur durch ein massives Polizeiaufgebot durchgesetzt werden. Im November 2018 waren über 10.000 Menschen gegen den Naziaufmarsch auf den Straßen Bielefelds unterwegs. Wir wollen auch dieses Jahr an die Proteste anknüpfen, den Tag für die Rechten so unangenehm wie möglich machen und die faschistische Demonstration im besten Fall verhindern.
Wenn wir gegen Naziaufmärsche kämpfen, tun wir dies auch aus der historischen Erfahrung heraus, dass sich antisemitische Gewalt, wie die Novemberpogrome oder die darauf folgende Shoah, nicht wiederholen darf. Wo immer rechte Verbrechen und Hetze stattfinden, braucht es Menschen die versuchen sie zu verhindern:
Historisch gab es auch in Bielefeld Widerstand gegen den Nationalsozialismus, wie etwa von selbstorganisierten Jüd*innen, widerständigen Arbeiter*innen, antifaschistischen Einzelkämpfer*innen.
So kam beispielsweise Marie Luise Hartmann nach der Wahl Hitlers freiwillig zurück aus der Schweiz in ihre Heimatstadt Bielefeld: „Für mich gab es nur eins, zurückkommen und helfen damit das schnell wieder beseitigt wird.“ Trotz wiederholter Festnahmen durch die SA, trotz des Verbotes ihrer politischen Gruppe und des daraus resultierenden fehlenden Rückhalts, kämpfte sie unermüdlich weiter gegen den faschistischen Normalzustand in Deutschland. So half sie unter anderem sowjetischen Strafgefangenen, die von der Wehrmacht auf den Johannesberg verschleppt worden waren. Dabei verlor sie nie die Hoffnung auf eine Welt, in der alle Menschen ohne Angst leben können.

Im Wissen um diese historische Formen des Widerstands, werden wir uns dem Naziaufmarsch am 9. November entgegenstellen.
Schon am 8. November werden wir mit einer Vorabenddemo den Opfern der Novemberpogrome und der Shoah gedenken.
Kommt alle mit uns auf die Straße!

 

Gedenkdemo: 8.11.2019 18 Uhr Bahnhhofsvorplatz

Proteste gegen den Naziaufmarsch: 9.11.2019 In der ganzen Stadt